Kölner Kammerorchester

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Datum: 14.11.2017

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Primadonna mit Großonkel

KLASSIK Veronika Eberle in Kölns Philharmonie

Später als großes Originalgenie europaweit gefeiert, zeigt sich Joseph Haydn in seinem frühen C-Dur Violinkonzert noch als Routinier. Er verschmilzt elegant barocke, frühklassische und italienische Elemente, zeigt aber noch nichts von dem Witz, der später unter seiner Perücke Funken schlug. Thematisch, harmonisch und formal bietet das Werk keine Überraschungen - und bezaubert dennoch stellenweise. Im Adagio Mittelsatz singt die Solovioline ein süßes Arioso über sanftem Pizzikato, als schmachte ein Galan mit Gitarre seine Serenade zur Angebeteten hinauf. Hier innige Tonschönheit entfaltend, glänzte Solistin Veronika Eberle im Presto-Finale mit virtuoser Geläufigkeit

Fistelige Höchstlage

Als Primadonna gefragt war Eberle im philharmonischem Konzert des Kölner Kammerorchesters auch in Giovanni Bottesinis "Gran duo concertante". Der Geige zur Seite gesellt sich hier gleichsam als täppischer Großonkel die Bassgeige. Passend zum 11. im 11. tendierte das Bravourstückchen zur leichten Muse, zu Polka, Galopp und Komik.

Während die Violine mit Leichtigkeit die schönsten Melodien zaubert, müht sich der Kontrabassist mit hektisch über das Griffbrett fahrenden Akkordbegleitungen. Tief über sein sperriges Instrument gebeugt, gelingen ihm auch kleine Flageolett-Melodien in fistelnder Höhenlage: Das ist freilich weniger Kunst denn Kunststück, mehr Zirkus als Musik, mit Edicson Ruiz als brillant pfeifender Tanzbär.

Der eindringlich musizierten c-Moll-Düsternis von Beethovens "Coriolan"-Ouvertüre zu Beginn folgte am Schluss dessen symphonischer Erstling. Das C-Dur-Werk beerbt Haydn und Mozart und kündet, reich an Finessen, Kontrasten und Akzenten, zugleich von einer neuen Epoche. So altbekannt diese Musik auch sein mag - sie überrascht und begeistert doch nach wie vor; zumal dann, wenn sie so pointiert gespielt wie vom Kölner Kammerorchester unter Christoph Poppen.

(RaN, Kölner Stadt Anzeiger, 14. November 2017)